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Currently viewing: Bücher » " Kranke Medizin ? "
Dr. Klaus Bolzano
„Kranke Medizin? Die Kunst Arzt oder Patient zu sein“,…
so lautet der Titel des Autors und Internisten Dr. Klaus Bolzano. Wegkommen vom Reparieren, hinkommen zum Heilen fordert der Arzt aus Salzburg in seinem jüngsten Buch.
„Arzt und Patient machen die Medizin aus und die Beziehung dieser Beiden bildet die Grundlage für Heilung. Diese unter die Füße zu bekommen, darin besteht die Kunst für beide, für den Arzt, wie für den Kranken“.
ISBN 978-3-901880-30-8 ; 19,30 €
Interview mit Herrn Dr. Klaus Bolzano
HDP: Aus dem obigen Zitat Ihres Buches folgt die Frage, was kann aus Ihrer Sicht der Patient tun, um mit dem Arzt in eine für beide Seiten gute Beziehung treten zu können?
Bolzano: Patienten sollten sich unter allen Umständen nur an Ärzte wenden, die ihnen auf gleicher Augenhöhe gegenüber stehen, von denen sie sich restlos verstanden fühlen. Nur auf diese Weise lässt sich jene vertrauensvolle Beziehung aufbauen, die nun einmal die Voraussetzung für Heilung ist. Natürlich ist der Arzt die kompetente Instanz. Aber die sollte nie von oben nach unten wirken. Dabei darf der Patient nicht vergessen, dass er in Gemeinschaft mit seiner Familie lebt. Er sollte deshalb von Anfang an bei Besprechung von Krankheit, Verlauf und Therapie einen nahestehenden Verwandten mit einbeziehen. Das wird nicht nur ihm, sondern auch dem Arzt mit seinem Behandlungsteam eine unersetzliche Hilfe sein.
HDP: Der Alltag in den Praxen ist heute häufig von allgemeinem Zeitmangel und bürokratischen Abläufen geprägt, was kann Ihrer Meinung nach helfen, dass der Arzt dennoch den Prozess „Des Heilens“ beginnen kann.
Bolzano: Wenn dem Arzt der schwerkranke Patient zum echten Anliegen wird, so wird die Zeit, die er ihm widmet, vielleicht nicht wesentlich länger, aber viel dichter und intensiver werden. Dabei stört auch die nötige Bürokratie nicht. Es geht im zeitlichen Miteinander von Arzt und Patient weniger um das „wie lange“, als um das „wie kompetent, wie intensiv, wie zielführend und stärkend“. Wenn man will, kommt man da sehr gut zurecht.
HDP: Ein theoretisches Beispiel, das des „Schutzengels“, wie Sie es in Ihrem Buch beschreiben, ist für mich als Betroffene plausibel. Mehr junge Assistenzärzte in den Krankenhäusern könnten eingesetzt werden, um unsicheren Patienten zu helfen. Wie genau könnte das Ihrer Meinung nach aussehen?
Bolzano: Dieses Problem kann nur dann gelöst werden, wenn die Leitung eines Krankenhauses die Notwendigkeit solchen Schutzengelwesens einsieht, und es richtig gehend verpflichtend einführt. Es kann nur funktionieren, wenn es in der Spitalsstruktur vorgesehen ist. Wenn es in einem Krankenhaus einmal zur Regel geworden ist, dass Praktikanten und junge Kollegen am Anfang ihrer Tätigkeit als Schutzengel fungieren, wird sich diese Institution wohl bald nicht mehr wegdenken lassen.
HDP: Sie sprechen die krankmachenden Mechanismen der Gesellschaft in Ihrem Buch an. Welches sind vor allem die Mechanismen, die gleichermaßen den Arzt als auch den Patienten betreffen.
Bolzano: Es sind dies vor allem Politik und Wirtschaft. Politiker können nur dann sinnvoll in das Gesundheitswesen eingreifen, wenn sie hervorragende Fachkompetenz besitzen. Das versteht sich von selbst. Bei der Wirtschaft lässt sich generell sagen, dass die gewinnorientierte neoliberale Marktwirtschaft inzwischen von aller Welt als derartig schädlich erkannt wurde, dass man sich völlig neue wirtschaftliche, und zwar gemeinnützige Modelle überlegen muss. Es hat überhaupt keinen Sinn, an diesem überholten System noch eine Kritik anzubringen, da die Missstände dieses Spätkapitalismus jedermann vor Augen stehen.
HDP: Wir sind ein Verein, der Mitbetroffene stärken möchte und bemüht ist diese objektiv aufzuklären. Dabei steht für uns der Betroffene mit seinen Problemen im Mittelpunkt. Sie beschreiben in Ihrem Buch vier Wege, auf denen sich der Patient bewegen kann. Je nachdem welchen Weg der Patient geht, was kann hier der Arzt bewirken?
Bolzano: Die vier Wege für den Patienten, die er immer wieder angehen sollte, sind: Stärkung und Aufbau des Selbst, Dankbarkeit, Förderung seiner Resourcen und Versöhnungsbereitschaft sich, seinem Körper und anderen gegenüber. Ärzte tun gut daran, bei den Patienten diese Wege aufzuzeigen und ihre Bedeutung zu betonen. Ohne diese Art von Mithilfe der Patienten werden sie selbst nur sehr schwer weiter kommen.
HDP: Ich zitiere aus Ihrem Buch: “So ist es in Krankheit wesentlich den Körper bewusst mit freundlichen Gedanken anzunehmen“ Was genau meinen Sie damit?
Bolzano: Das meine ich ganz wörtlich. Man soll lernen, mit seinem Körper, mit den einzelnen Gliedern zu sprechen, sie zu loben, nach ihren Bedürfnissen zu fragen. Dazu gehört, dass man für seinen Körper etwas tut, ihn bewegt, eincremt, massieren lässt, ihn pflegt als wäre es sein Lieblingspferd. Man soll seinem Körper danken, dass er einen solange schon ertragen und getragen hat, man soll in ihm den liebevollen Gefährten erkennen, der sich außerdem dazu zur Verfügung stellt, mittels körperlicher Mittel seelische Probleme ans Tageslicht zu befördern.
HDP: Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass mich Ihr Buch sehr gefesselt hat. So wie Sie die Beziehung Arzt – Patient beschreiben, wäre es wohl für die meisten Betroffenen wünschenswert und könnte tatsächlich der erste Schritt aus der Krankheit heraus sein. Verstehen gelernt habe ich durch Ihr Buch auch die Seite des Arztes, was für eine gute Arzt-Patienten - Beziehung unerlässlich ist.